Literarische Grüsse der Autorin.


Dezember 18

"Es roch eigenartig intensiv nach Senfeiern und frischgeschlüpften Ideen an der Rathausgasse Nummer neunundsechzig vor der bescheidenen Wohnung des grossen Herbi B., einen Tag vor dem grossen Moment, genau drei Uhr fünfundvierzig war es." 


November 18

"Die Welt – das waren die vielen Menschen aus den vielen Ländern, die in den hohen grauen Häusern wohnten und in verschiedenen Sprachen miteinander redeten, das waren aber auch die Häuser selbst, das verwahrloste Trottinett ohne Räder und das Graffiti auf der Rutschbahn."


Oktober 18

"Ich bleibe sitzen und niemand fragt, was ich mache, was ich hier mache, auf dieser Seite, an diesem Ort und keinem anderen, warum ich hier sitze, ausgerechnet ich, auagerechnet hier, wie ein kleines Wunder."


September 18

"Was hören Sie da eigentlich die ganze Zeit, ruft mir Madame Rousseau zu und es erstaunt mich nicht im geringsten, dass sich jemand, der Tiefkühlpizza am Schuh kleben hat, nicht mit Bach auskennt."


August 18

"ein kleines jetzt

windet sich

barfuss

durch

enge

stadt-

gassen

statt

den

nächsten

gedankenzug

abzuwarten."


Juli 18

"Ein grosser Haufen Nichts. Womit ich wieder bei meinem Lieblingsthema wäre. Darüber gäbe es noch viel zu sagen."


Juni 18

"Am besten aber waren die Abende. Da sind wir durch die Quartiere geschlendert und ins Kino und es hatte immer irgendjemand Geburtstag."


Mai 18

"Manchmal denke ich, ich wäre auch gerne dabei gewesen, als es noch nichts gab. Ich meine, dann kommst du so hin zu dem Nichts und denkst dir einfach, ich pflanz jetzt mal eine Kartoffel! Oder ich mach eine Einhornfarm auf. Das ist eben das Gute daran, wenn nichts da ist, dann kannst du alles daraus machen."


April 18

WIE

das Pferd stubsen kann wenn es Möhren will. 

Sind wir nicht alle Menschen?

Denk du weiter

WIE

alles weitergeht

(Dichte)


März 18

"Vielleicht sollte ich mal wieder Marienkäfer sammeln gehen. Und vierblättrige Kleeblätter. Wie früher."


Februar 18

"Da kommt ein Regen und vermischt die Farben zu einem neuen Jetzt." (Inspirationsquellen-Tour)


Januar 18

"Sie setzen sich auf den regennassen Boden und schweigen Antworten auf Fragen in die Luft, die keiner gestellt hat."


Dezember 17

"Wenn ich könnte, würde ich bleiben, aber das Sitzen ist nicht meine Stärke, ich fliesse lieber um die Welt, ruft die Idee, die eben noch bei mir am Ufer gestanden hatte, und verschwindet im Aaregrün."


November 17

"Wie ein Kind schlurfte sie durch den rotgelben Blätterteppich, sammelte Kastanien und setzte sich Ahorn-Propeller auf die Nase." (Aaregeflüster)


Oktober 17

"Es machte Spass, zuzusehen, wie sich die bunten Wünsche auf den Weg machten. Einige flogen weit geradeaus, andere machten Kurven und Loopings, ein paar stürzten auch ab." (Aaregeflüster)


September 17

"Ob ich mit dir zum Zahnarzt kommen möchte, sagte ich, das ist mit Abstand die romantischste Einladung, die ich je erhalten habe und ich lachte, um zu vertuschen, dass es die Wahrheit war."


August 17

"Erstaunlich, was man gestern so sagt, manchmal."


Juli 17

"Ich starre ihn an, den Menschen, der da neben mir sass, und er starrte mich an, wir beide starrten uns an, das Ganze wurde zur tonlosen Komödie, und ich sah schon vor mir, wie man das Stück auf die Bühne bringen könnte, oder auf die Kinoleinwand."


Juni 17

"Der Vogel kreiste noch lange über uns und mit ihm aussergewöhnliche Namen von aussergewöhnlichen Kindern, die vielleicht einmal entstehen werden"


Mai 17

"Begegnung, das ist Leben, eine einzige bunte grosse sich drehende immer wachsende nicht zu entkommender manchmal merkwürdige manchmal süsse und oft einfach nur grüngepunktete Begegnung, die einem passiert, mir passiert, allen, manchmal jeden Tag."


April 17

"Ich möchte auch so einen Stein. Und dass fremde Leute über mich reden. Ist irgendwie steil." (Aaregeflüster)


März 17

"Im Schatten einer der Bäume des Innenhofs sass ein junger Mann in einem auffällig grünen Anzug und kritzelte etwas in sein Notizbuch, während sich einen Tisch weiter ein Paar durch einen Berg Postkarten kämpfte, er klebte Briefmarken auf und suchte Adressen zusammen, sie schrieb möglichst originelle Grüsse und hoffte, ihre Freunde würden nicht herausfinden, dass sie allen das Gleiche schrieb, während zwei Tische weiter eine Frau mit vielen bunten Armbändern eine Bleistiftzeichnung anfertigte,jeder in seine eigene kleine Welt versunken." (Aaregeflüster)


Februar 17

"Und manchmal hörte er die Aare eine Antwort flüstern auf seine Fragen, und fragte sich, ob es die Aare war." (Aaregeflüster)


Januar 17

"I ha de no chli umegstudiert u mir überleit wiä das ächt wär we mir üs niä wärä begägnet, du u i, de wär itz d Frou nid hässig, de hätti nämlech o nid glachet, wöu dä hättisch du mir ja d Gschicht niä verzeut vom unverständlächä Namä am Telefon, ds wär doch komisch, ds wär doch nid z Gliichä." (Aaregeflüster)

Désirée Scheidegger            
Autorin